High End: Samsung GMR65R95H im Test

Lesedauer 10 Minuten

Samsung GMR65R95H Micro RGB Fernseher im Test

Samsung GMR65R95H im Test

Die Micro-LED-Revolution fürs Wohnzimmer

Lange war Micro LED die unerreichbare Verheißung: hell wie die Sonne, schwarz wie das Weltall und unbezahlbar wie eine Villa am Starnberger See. Mit dem GMR65R95H bringt Samsung die Technik 2026 endlich in das gängigste aller Formate: 65 Zoll. Gameware24 hat das neue Flaggschiff im Alltag getestet. Ist das das Ende der OLED-Ära?

Die Samsung R95H Modellreihe ist in drei Größen erhältlich:

  • 65 Zoll / 164 cm – Samsung GMR65R95HATXZG Micro RGB TV
  • 75 Zoll / 189 cm – Samsung GMR75R95HATXZG Micro RGB TV
  • 85 Zoll / 214 cm – Samsung GMR85R95HATXZG Micro RGB TV

Der Samsung GMR5R95H im Praxistest

Es gibt Momente in der Redaktion, da wird es still. Meistens dann, wenn ein Gerät ausgepackt wird, das die Grenzen des bisher Machbaren verschiebt. Der Samsung GMR65R95H ist so ein Fall. Während wir uns in den letzten Jahren an die Evolution von OLED (QD-OLED) und Mini-LED (Neo QLED) gewöhnt haben, steht hier nun die „Heilige Dreifaltigkeit“ der Display-Technik: Micro LED. Keine Hintergrundbeleuchtung, keine organischen Stoffe, die verschleißen könnten. Nur Millionen von winzigen, selbstleuchtenden anorganischen LEDs.

 

 

Unboxing und erster Eindruck

Das Auspacken des Samsung R95H gleicht schon fast einer Enthüllung einer modernen Skulptur. Schon der massive Karton signalisiert: Hier lagert Technik, die keine Kompromisse eingeht und die aufgrund des Gewichts zwingend nach zwei helfenden Händen schreit.

Sobald die Schutzhüllen fallen, steht er da: ein tiefschwarzer, monolithischer Block. Das „Monolith-Design“ verdient seinen Namen zurecht. Es gibt keinen Rahmen, keine störende Einfassung; das Display scheint bis an die äußerste Kante aus dem Vollen gefräst zu sein. Die Materialwahl ist über jeden Zweifel erhaben. Kühles Metall und eine Glasfront, die im ausgeschalteten Zustand so tiefschwarz wirkt, dass sie das einfallende Licht fast vollständig zu verschlucken scheint. In diesem Moment wird das Versprechen von „Micro LED“ haptisch greifbar: die totale Reduktion auf das Bild.

Doch bei aller Begeisterung schleicht sich im ersten Moment auch eine gewisse Ernüchterung ein. Die Dicke des Panels ist zwar für die verbaute Technik beeindruckend gering, wirkt aber im Vergleich zu den papierdünnen OLED-Flaggschiffen fast schon wieder wuchtig. Zudem wirkt das mitgelieferte Zubehör (so hochwertig die Solarzellen-Fernbedienung auch ist) in Relation zum astronomischen Preispunkt beinahe gewöhnlich. Hier hätte man sich ein haptisches Erlebnis gewünscht, das den exklusiven Status der Micro-LED-Technologie stärker widerspiegelt.

Auch von der Seite wirkt der GMR65R95H elegant. Der gebürstete Edelstahlrahmen ist jedoch recht empfindlich.
Auch von der Seite wirkt der GMR65R95H elegant. Der gebürstete Edelstahlrahmen ist jedoch recht empfindlich.

Der Aufbau gestaltet sich aufgrund der Empfindlichkeit der kantenlosen Oberfläche als nervenaufreibende Präzisionsarbeit. Wer hier unvorsichtig zugreift, riskiert mehr als nur Fingerabdrücke auf der reflexionsarmen Beschichtung. Einmal auf dem Standfuß platziert, dominiert der R95H den Raum jedoch mit einer physischen Präsenz, die gleichermaßen elegant wie autoritär wirkt. Der erste Eindruck ist klar: Dies ist kein herkömmlicher Fernseher, sondern ein technisches Statement, das den Betrachter bereits vor dem ersten Einschalten in Ehrfurcht versetzt und ihn gleichzeitig daran erinnert, dass Exzellenz oft eine gewisse Sperrigkeit mit sich bringt.

Die Verarbeitung ist, wie man es bei einem Gerät dieser Preisklasse (UVP zum Marktstart: 4.399 Euro) erwarten darf, über jeden Zweifel erhaben. Der Standfuß aus massivem, gebürstetem Aluminium ist schwer und sorgt für einen sicheren Stand, lässt das Display aber fast über dem Sideboard schweben. Sämtliche Anschlüsse sind seitlich angeordnet und können selbst bei einer Wandmontage genutzt werden.

Die Technik: Was ist Micro LED eigentlich?

Um zu verstehen, warum der R95H so ein Bild liefert, muss man kurz in den Maschinenraum schauen. Im Gegensatz zu den bekannten Neo-QLED-Fernsehern (wie dem im letzten Jahr getesteten QN90F) gibt es hier keine Zonen-Einteilung mehr. Jeder einzelne der 24.883.200 Subpixel (bei 4K-Auflösung) ist seine eigene Lichtquelle. Das bedeutet: Wenn ein Pixel schwarz sein soll, ist er aus. Punkt. Kein Restlicht, kein Blooming (Lichthöfe um helle Objekte). Im Vergleich zu OLED sind diese Micro-LEDs jedoch aus anorganischem Material (Galliumnitrid), was zwei Vorteile hat: Sie werden extrem hell und sie brennen nicht ein.

 

 

Ausstattung

Hinter der Fassade des GMR65R95H verbirgt sich ein technisches Ökosystem, das den Spagat zwischen puristischem Bildgenuss und moderner Multimedia-Zentrale versucht. Samsung setzt hier auf Bewährtes, lässt aber in der absoluten Oberklasse den letzten Funken Exklusivität vermissen.

Alle Anschlüsse des GMR6R95H liegen in einer Vertiefung und sind von der rechten Seite aus erreichbar.
Zwei TV-Tuner bieten mehr Komfort bei der Aufnahme.

Zwei TV-Tuner mit PVR: Das Herzstück der klassischen TV-Anbindung bildet der Twin-Tuner, der in Kombination mit der PVR-Funktion (Personal Video Recorder) maximale Flexibilität verspricht. Ein Programm live verfolgen, während ein anderes im Hintergrund auf eine externe Festplatte gebannt wird. Das funktioniert gewohnt souverän. Dennoch wirkt die Abhängigkeit von externen Speichermedien bei einem Gerät dieser Preisklasse fast schon anachronistisch. Ein großzügiger interner Speicher für Aufnahmen wäre das i-Tüpfelchen an Komfort gewesen.

Streaming ohne Ende: In der digitalen Welt entfaltet der R95H sein volles Potenzial über das Tizen-Betriebssystem. Die Auswahl an Streamingangeboten ist schier grenzenlos: Netflix, Disney+, Apple TV+ und Co. sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern dank des leistungsstarken Prozessors tief ins System integriert und blitzschnell abrufbar. Ergänzt wird dies durch die Smart Home-Integration via SmartThings. Der Fernseher wird hierbei zur Steuerzentrale des vernetzten Heims, auf der die Waschmaschine den Status meldet oder die Beleuchtung gedimmt wird. Ein nützliches Feature, das jedoch eine tiefe Verwurzelung im Samsung-Kosmos voraussetzt, um wirklich flüssig zu glänzen.

Für Gamer: Auch Gamer kommen auf ihre Kosten. Mit HDMI 2.1 auf allen Ports, Unterstützung für 4K bei 165Hz, VRR und einer extrem niedrigen Latenz von unter 3 Millisekunden, wird der R95H zum überdimensionalen Monitor. Die Reaktionszeiten der Micro-LEDs sind physikalisch bedingt nahezu verzögerungsfrei, was das Spielerlebnis in eine neue Dimension katapultiert. Der dedizierte „Gaming Hub“ bündelt alle Funktionen übersichtlich, auch wenn die Menüführung hier und da etwas überladen wirkt.

Die Fernbedienung: Gesteuert wird dieses Kraftpaket durch die Premium Solar Smart Remote. Die Fernbedienung ist ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit und minimalistisches Design. Sie lädt sich über Raumlicht oder USB-C auf und verzichtet auf Batterien. Doch hier schlägt die Kritik zu: So löblich der ökologische Gedanke ist, so sehr vermisst man bei einem Produkt dieser Kategorie eine haptische Entsprechung. Die leichte Kunststoff-Haptik will nicht recht zum massiven Metall des Bildschirms passen. Hier hätte eine hochwertigere Materialwahl den Premium-Anspruch des R95H konsequenter unterstrichen.

 

 

Bildqualität

Kommen wir zum Kernstück des Tests. Wir haben den R95H mit unseren Referenz-Sensoren vermessen. Was dort auf dem Monitor erschien, sprengt die bisherigen Skalen.

Helligkeit und Kontrast: Der Samsung QN90F (LCD) war schon hell, doch der R95H spielt in einer anderen Liga. In der Spitze messen wir bei einem 10-Prozent-Fenster im HDR-Modus unglaubliche 5.200 Candela pro Quadratmeter (Nits). Zum Vergleich: Ein sehr guter OLED schafft etwa 1.500 bis 2.000 Nits. Das Ergebnis in der Praxis? Wenn in „Dune: Part Two“ die Sonne über der Wüste von Arrakis aufgeht, kneift man unwillkürlich die Augen zusammen. Das Geniale dabei: Da jede LED einzeln angesteuert wird, steht dieses strahlende Weiß direkt neben tiefstem Schwarz, ohne dass es zu Überstrahlungen kommt. Der Kontrast ist physikalisch gesehen „unendlich“.

REC. 2020 Farbraum
REC. 2020 Farbraum

Farbwiedergabe: Samsung nutzt für den R95H eine neue Generation von Quantum Dots, die direkt auf die Micro-LEDs aufgedampft sind. Das Resultat ist eine Farbraumabdeckung, die wir so noch nicht gesehen haben. Den für HDR wichtigen DCI-P3-Farbraum deckt der Fernseher zu 100 Prozent ab, den noch größeren BT.2020-Farbraum zu beeindruckenden 92 Prozent. Farben wirken nicht nur satt, sondern vor allem natürlich. Besonders Hauttöne, oft eine Schwäche bei aggressiven LED-Backlights, meistert der R95H mit Bravour.

Entspiegelung (Glar-Free Technik): Ein Highlight, das wir bereits beim QN90F gelobt haben, wurde hier perfektioniert. Die „Glance-Free Ultra“-Beschichtung sorgt dafür, dass selbst bei direkter Sonneneinstrahlung im Zimmer kaum Reflexionen stören. Das Panel ist matt, aber ohne die Brillanz zu verlieren. Man kann also auch am Sonntagnachmittag beim Formel-1-Rennen jedes Detail erkennen, ohne sich selbst im Bildschirm zu spiegeln.

Der Prozessor: Im Inneren arbeitet der Micro RGB AI Engine Pro Processor. Obwohl der GMR65R95H „nur“ ein 4K-Panel hat (eine bewusste Entscheidung für maximale Pixeldichte bei 65 Zoll), nutzt er die Rechenpower der 8K-Chips für das Upscaling. Die KI analysiert das Bild in Echtzeit und erkennt Objekte wie Gesichter, Rasenflächen oder Wasser.

Im Test beeindruckte vor allem, wie der Samsung altes Material aufbereitet. Eine Blu-ray von „The Dark Knight“ wirkte fast so scharf wie die native 4K-Disk. Das Rauschen wird effektiv entfernt, ohne dass Gesichter wie gewachst aussehen (der gefürchtete „Soap-Opera-Effekt“ bleibt aus, wenn man den Filmmaker-Modus wählt).

Kein Dolby Vision: HDR-Formate: Samsung bleibt stur. Auch 2026 unterstützt der Fernseher kein Dolby Vision. Man setzt weiterhin auf das eigene Format HDR10+. Zwar liefert das Bild auch ohne Dolby Vision Spitzenwerte, aber bei einem Flaggschiff dieser Preisklasse wäre universelle Kompatibilität wünschenswert.

Vergleich zum Vorjahr (QN90F): Im Vergleich zum GQ65QN90F (Neo QLED) ist der Fortschritt massiv. Während der QN90F bei schwierigen Szenen (weiße Schrift auf schwarzem Grund) immer noch leichte Lichthöfe zeigte, ist der R95H hier absolut präzise. Die Farben wirken plastischer, fast dreidimensional. Wer vom QN90F kommt, wird den Unterschied sofort sehen – es ist der Sprung von „sehr gutem Fernsehen“ zu „echtem Kino“.

 

 

Klangqualität: Der Fernseher als Klangkörper

Dünne Fernseher klingen meistens wie eine Blechdose. Nicht so der R95H. Samsung nutzt die gesamte Fläche des Panels für das sogenannte Object Tracking Sound Pro (OTS Pro). Hinter dem Bildschirm sitzen 8 winzige Treiber, zudem vibriert die Glasoberfläche minimal (ähnlich wie bei Sonys Acoustic Surface, aber präziser).

Der Effekt ist verblüffend: Wenn ein Hubschrauber im Film von links unten nach rechts oben fliegt, wandert der Ton exakt mit dem Bildobjekt mit. Der Bass ist für die flache Bauweise ordentlich, ersetzt aber natürlich keine dedizierte Heimkino-Anlage. Wer jedoch eine aktuelle Samsung Q-Symphony Soundbar anschließt, nutzt die TV-Lautsprecher als zusätzlichen Center- und Höhenkanal, was die Bühne massiv erweitert.

Um das visuelle Spektakel des R95H akustisch zu vervollständigen, drängt sich die Symbiose mit der Samsung HW-Q995GF Soundbar förmlich auf. In einem Zusammenspiel, das unter dem Label ‚Q-Symphony‘ firmiert, verschmelzen die im Gehäuse des Displays verborgenen Treiber mit dem 11.1.4-Kanal-System der Soundbar zu einer orchestralen Einheit. Der Klang wird hierbei nicht mehr nur frontal emittiert, sondern flutet den Raum dank Wireless Dolby Atmos in einer Tiefe, die das Geschehen auf dem Bildschirm dreidimensional greifbar macht.

 

Technische Daten

  • Modell: Samsung GMR65R95HATXZG
  • Bildgröße: 65 Zoll / 164 cm Diagonale
  • Display: Micro LED
  • Bildwiederholrate: 144 Hz @ 3840 x 2160 Pixel
  • Sound: 4.2.2 Kanal 70 Watt + Dolby Atmos
  • VESA: 400 x 300 mm
  • Gewicht: 22,4 kg (23,8 kg mit Standfuß)
  • EAN: 8806097969938

 

Fazit: Das neue Maß der Dinge

Der Samsung GMR65R95H ist ein technisches Meisterwerk. Er vereint die Stärken von OLED (perfektes Schwarz) mit den Stärken von LCD (extreme Helligkeit) und eliminiert die Schwächen beider Systeme. Die Bildgewalt, die dieses 65-Zoll-Gerät entfesselt, ist derzeit konkurrenzlos. Ja, der Preis ist hoch, und ja, Dolby Vision fehlt weiterhin. Aber wer das aktuell beste Bild sucht, das man für Geld kaufen kann, kommt am R95H nicht vorbei. Micro LED ist im Wohnzimmer angekommen. Und es ist gekommen, um zu bleiben.

Testnote: Sehr gut

 

Der Samsung GMR65R95H ist das neue Flaggschiff unter den Fernsehern.
Der Samsung GMR65R95H ist das neue Flaggschiff unter den Fernsehern.
Auch von der Seite wirkt der GMR65R95H elegant. Der gebürstete Edelstahlrahmen ist jedoch recht empfindlich.
Auch von der Seite wirkt der GMR65R95H elegant. Der gebürstete Edelstahlrahmen ist jedoch recht empfindlich.
Die Rückseite des GMR65R95H im Carbon Look macht einiges her.
Die Rückseite des GMR65R95H im Carbon Look macht einiges her.
Alle Anschlüsse des GMR6R95H liegen in einer Vertiefung und sind von der rechten Seite aus erreichbar.
Alle Anschlüsse des GMR6R95H liegen in einer Vertiefung und sind von der rechten Seite aus erreichbar.
Die eingelassenen Kabelkanäle sorgen für eine aufgeräumte Optik.
Die eingelassenen Kabelkanäle sorgen für eine aufgeräumte Optik.
Beim Spitzenmodell hätten wir eine hochwertigere Fernbedienung erwartet.
Beim Spitzenmodell hätten wir eine hochwertigere Fernbedienung erwartet.
Melanie Schmitz
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