Samsung GMR55R85H Micro RGB im Praxistest

Lesedauer 10 Minuten

Samsung GMR55R85H Micro RGB im Praxistest

Grandioser Fernseher mit Schwachstellen

Es gibt Momente in der Unterhaltungselektronik, in denen man spürt, dass eine neue Technologie nicht nur ein Upgrade ist, sondern eine Revolution. Als Samsung im Frühjahr 2026 seine Micro‑RGB‑Serie präsentierte, war genau das der Fall. Die Branche staunt, Enthusiasten sprachen von einem Wendepunkt, und die Marketingabteilungen überboten sich mit Superlativen. Der GMR55R85H, das 55‑Zoll‑Modell der neuen Reihe, sollte nicht weniger sein als die Antwort auf zwei Jahrzehnte Display‑Evolution: heller als OLED, präziser als LCD, langlebiger als beides zusammen. Doch wie so oft liegt die Wahrheit nicht in den Werbeslogans, sondern im Alltag. Und genau dort haben wir den Fernseher intensiv getestet. Beim Streamen, beim Gaming, bei Sportübertragungen, in hellen Räumen und in abgedunkelten Heimkino‑Abenden. Was bleibt, ist ein Eindruck, der so vielschichtig ist wie die Technologie selbst: überwältigend, faszinierend, aber nicht frei von Reibungspunkten.

Quick-Check

Vorteile
  • Über 3800 CD/m² Spitzenleuchtkraft
  • 100% BT.2020 Abdeckung
  • Absolutes Schwarz
  • Gaming-Tauglich
Nachteile
  • Kein Dolby Vision
  • Mittelmäßiger Klang

 

  Weitere Größen des Samsung R85H:

 

 

 

Design & Verarbeitung

Der erste Eindruck des GMR55R85H ist zweifellos ein ästhetischer. Samsung hat das „Monolith Edge“ nicht nur weiterentwickelt, sondern nahezu perfektioniert. Der Rahmen ist so dünn, dass er eher wie ein optischer Schatten wirkt als wie ein physisches Bauteil. Betrachtet man den Fernseher frontal, scheint das Bild direkt aus der Wand zu wachsen. Ein Effekt, der besonders mit einer sehr flachen Wandhalterung, wie der Vogel’s TVM 5607 Halterung beeindruckt. Das Gerät wirkt dann weniger wie ein Fernseher und mehr wie ein digitales Kunstwerk, das sich in die Architektur des Raumes einfügt. Doch sobald man den Blickwinkel ändert, zeigt sich die Kehrseite der Medaille. Die Bautiefe von 5,2 Zentimetern ist kein Drama, aber sie erinnert daran, dass Micro‑LED‑Technologie noch nicht die radikale Flachheit von OLED erreicht. Während LGs Wallpaper‑Modelle fast wie Tapete wirken, bleibt der R85H sichtbar ein Gerät. Solide, hochwertig, aber eben nicht unsichtbar.

Die Materialqualität überzeugt: Die Rückseite mit ihrer strukturierten Oberfläche wirkt edel, die Kanten sauber verarbeitet, die Kabelkanäle durchdacht. Allerdings fällt die Entscheidung gegen eine One‑Connect‑Box negativ auf. Alle Anschlüsse sitzen rückseitig in einer Vertiefung, was die Wandmontage zwar nicht verhindert, aber unnötig fummelig macht. Wer häufig Geräte wechselt, wird hier nicht glücklich. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Entspiegelung. Während das Topmodell R95H eine nahezu perfekte Anti‑Reflex‑Beschichtung besitzt, muss der R85H mit einer einfacheren Lösung auskommen. In hellen Räumen oder bei seitlichem Lichteinfall entstehen Reflexionen, die das ansonsten beeindruckende Bild stören können.

 

 

 

 

 

Ausstattung & Bedienung

Tizen OS 2026: Schnell, aber überladen

Samsung hat sein Betriebssystem in den letzten Jahren konsequent erweitert. Vielleicht ein wenig zu konsequent. Tizen OS 2026 ist reaktionsschnell, modern und funktional, doch die Startseite wirkt zunehmend wie ein Marktplatz. Empfehlungen, Werbeflächen, gesponserte Inhalte: All das nimmt Raum ein, der eigentlich für Übersichtlichkeit gedacht wäre. Wer nur die Helligkeit anpassen möchte, muss sich durch mehrere Ebenen klicken, vorbei an Gaming‑Hubs, Fitness‑Bereichen und Lifestyle‑Widgets. Für ein Gerät dieser Preisklasse wirkt das unnötig bevormundend.

Vision AI Companion: Zwischen clever und überambitioniert

Der integrierte KI‑Assistent soll Inhalte erkennen, Fragen beantworten und das Smart Home steuern. In der Praxis gelingt das nur teilweise. Fragen nach Schauspielern oder Regisseuren beantwortet das System zuverlässig. Doch sobald komplexere Befehle ins Spiel kommen, wie etwa das Springen zu bestimmten Szenen, stößt die KI an die Grenzen der Metadaten der Streaming‑Dienste. Hinzu kommt die permanente Mikrofonbereitschaft, die datenschutzbewusste Nutzer abschrecken dürfte. Zwar lässt sich das Mikrofon deaktivieren, doch damit verliert der Assistent einen Großteil seiner Funktionen.

Konnektivität: Ein Traum für Gamer

Vier vollwertige HDMI‑2.1b‑Ports mit 48 Gbit/s sind ein Segen. 4K bei 144 Hz, VRR, FreeSync Premium Pro, G‑Sync‑Kompatibilität. Allerdungs nur an einem leistungsstarken Gaming-PC. Bei den aktuellen Konsolen wie der Sony PlayStation 5 Pro und Xbox Series X ist bei 4K maximal 120 FPS möglich. Der neue „Neuro‑Latency‑Mode“ reduziert den Input‑Lag auf rekordverdächtige 3,4 ms und macht schnelle Shooter oder Simulationen zu einem Erlebnis. Doch dann kommt der altbekannte Samsung‑Stolperstein: Dolby Vision fehlt erneut. Für Filmfans ist das ein Rückschritt, der sich nicht schönreden lässt. HDR10+ ist gut, aber nicht so weit verbreitet. Auch Wi‑Fi 7 oder einen zweiten TV-Tuner sucht man vergeblich. Für ein 2026er Premiumgerät überraschend.

Anschlüsse des Samsung GMR55R85H

  • 4x HDMI 2.1b (4K@144 Hz, VRR, FreeSnc, G-Sync, ALLM, eARC)
  • 2x USB 3.2 (für externe Festplatten, USB‑Sticks, Webcams)
  • 1x Optischer Digitalausgang (Toslink)
  • 1x LAN (RJ‑45, 1 Gbit/s)
  • 1x WLAN (Wi‑Fi 6E)
  • 1x Bluetooth Version 5.3
  • 1x Antenne (DVB‑T2 HD)
  • 1x Kabel (DVB‑C)
  • 1x Satellit (DVB‑S2)
  • 1x CI+ 1.4 Slot (Für PayTV über CI+ Karte)

 

 

 

 

 

Bildqualität

Die Bildqualität ist das eigentliche Statement des Samsung GMR55R85H. Hier zeigt sich, warum Micro‑RGB als die vielleicht bedeutendste Display‑Innovation der letzten Jahre gilt. Jeder Pixel besteht aus drei selbstleuchtenden LEDs, die ohne Umwege Licht erzeugen. Es gibt keine Hintergrundbeleuchtung, keine Dimming‑Zonen, keine optischen Filter, die das Bild verfälschen könnten. Das Resultat ist eine Darstellung, die in vielen Momenten nicht nur beeindruckt, sondern regelrecht überwältigt. Der Fernseher wirkt, als würde er nicht einfach Bilder zeigen, sondern Licht selbst formen.

Helligkeit & HDR: Wenn Licht physisch spürbar wird

Mit Spitzenwerten von über 3.800 Nits gehört der R85H zu den hellsten Fernsehern seiner Generation. Doch die reine Zahl beschreibt nur einen Bruchteil dessen, was im Wohnzimmer passiert. Die Helligkeit besitzt eine physische Präsenz, die man nicht nur sieht, sondern beinahe fühlt. Besonders deutlich wird das in Dune: Part Two auf 4K Ultra HD Disc. Die Sonne von Arrakis brennt nicht einfach über der Wüste, sie scheint den Raum zu durchfluten. Wenn die Ornithopter über die Dünen rasen, glitzern die metallischen Flügel in einem Spektrum aus Gold‑ und Kupfertönen, das OLEDs schlicht nicht erreichen. Der Sand wirkt nicht wie ein Farbton, sondern wie eine lebendige Masse aus Licht und Hitze. In den Szenen, in denen Paul und Chani durch den Wüstensturm fliegen, entsteht eine Intensität, die fast unangenehm real wirkt. Der Fernseher zwingt einen förmlich, die Augen leicht zusammenzukneifen, als stünde man selbst im grellen Sonnenlicht. Auch Guardians of the Galaxy Vol. 3 profitiert enorm von dieser Leuchtkraft. Die Neonröhren in Orgocorp strahlen mit einer Intensität, die den Raum förmlich einfärbt. Laserblitze, Explosionen und kosmische Effekte wirken nicht wie digitale Animationen, sondern wie echte Lichtquellen. Der R85H liebt Spektakel und er setzt es mit einer Wucht um, die man sonst nur aus HDR‑Mastering‑Studios kennt.

Schwarzwerte: Die Kunst der absoluten Dunkelheit

So beeindruckend die Helligkeit ist, so faszinierend ist die Dunkelheit. Micro‑RGB erzeugt ein Schwarz, das nicht einfach dunkel ist, sondern eine Tiefe besitzt, die fast metaphysisch wirkt. Es ist ein Schwarz, das nicht verschluckt, sondern trägt. Ein Schwarz, das Raum schafft. Kaum ein Film zeigt das besser als Interstellar. Der Weltraum ist hier nicht nur Hintergrund, sondern ein erzählerisches Element. Auf dem R85H wirkt er wie ein endloser Abgrund, frei von jeglichem Blooming oder Streulicht. Die Sterne stehen messerscharf vor absoluter Finsternis, als hätte jemand sie mit einer Nadel in die Realität gestochen. Die Silhouette der Endurance hebt sich so präzise vom Schwarz ab, dass man die Konturen fast ertasten möchte. In der Szene, in der Cooper das Wurmloch erreicht, entsteht ein Kontrast zwischen tiefster Dunkelheit und gleißenden Lichtstrukturen, der selbst High‑End‑OLEDs in den Schatten stellt. Auch Dune: Part Two profitiert von dieser Präzision. Die dunklen Innenräume der Sietch‑Höhlen wirken nicht grau, sondern wie echte Finsternis, in der Lichtquellen messerscharf hervorstechen. Der Fernseher schafft es, Dunkelheit nicht als Abwesenheit von Licht darzustellen, sondern als eigene visuelle Qualität.

Farbdarstellung: Zwischen Perfektion und Übermut

Mit seiner vollständigen BT.2020‑Abdeckung ist der R85H ein Farbwunder. Er kann Farben darstellen, die jenseits dessen liegen, was herkömmliche Displays überhaupt reproduzieren können. Doch diese Fähigkeit ist nicht immer ein Vorteil. Der Fernseher neigt dazu, die Welt schöner zu machen, als sie ist. In Guardians of the Galaxy Vol. 3 ist das ein Segen. Die farbintensiven Welten, die Neonlichter, die kosmischen Explosionen – all das wirkt auf dem R85H wie ein visuelles Feuerwerk. Die Farben besitzen eine Tiefe und Reinheit, die fast surreal wirkt. Rocket Raccoons Fell reflektiert Licht in feinsten Nuancen, die man auf vielen anderen Displays schlicht nicht sieht. In Dune: Part Two zeigt sich die andere Seite der Medaille. Die subtilen Farbabstufungen des Wüstensands, die metallischen Reflexe der Ornithopter, die warmen Hauttöne der Fremen. All das wirkt beeindruckend realistisch. Doch in manchen Szenen schiebt der Prozessor selbst im Filmmaker Mode ein wenig zu viel Sättigung ins Bild. Die Welt wirkt dann minimal „poliert“, als hätte jemand die Realität mit einem Hauch digitaler Perfektion überzogen.

Bewegung & KI‑Verarbeitung: Präzise, aber nicht fehlerfrei

Die KI‑gestützte Bildverarbeitung des R85H ist beeindruckend, aber nicht makellos. Bewegungen wirken flüssig, und das Upscaling gehört zu den besten, die wir bisher gesehen haben. Selbst ältere 1080p‑Inhalte gewinnen an Schärfe und Detailtiefe, ohne künstlich überschärft zu wirken. Doch die Bewegungsglättung lässt sich nicht vollständig eliminieren. Ein leichter Soap‑Opera‑Effekt bleibt selbst in der niedrigsten Stufe sichtbar. Besonders in Guardians of the Galaxy Vol. 3, wenn schnelle Kameraschwenks und hektische Actionsequenzen aufeinandertreffen, entstehen gelegentlich minimale Artefakte. Sie sind selten, aber vorhanden, als würde die KI für einen Moment über ihre eigene Intelligenz stolpern.

Micro‑Noise & Blickwinkel

In sehr dunklen Graustufen zeigt sich ein feines elektronisches Rauschen, das typisch für aktuelle Micro‑LED‑Generationen ist. Es fällt vor allem in Nebelszenen, Rauch oder sehr dunklen Innenräumen auf. In Interstellar etwa, wenn die Crew durch die schwach beleuchteten Gänge der Endurance schwebt, ist das Micro‑Noise sichtbar, aber nie störend. Die Blickwinkelstabilität ist hervorragend, doch bei extremen Winkeln driftet die Farbtemperatur leicht ins Kühle. Für ein Wohnzimmer ist das völlig ausreichend, für ein Heimkino mit breiter Sitzreihe jedoch ein Punkt, den man berücksichtigen sollte.    

 

 

 

 

 

Klangqualität

Samsung bewirbt „Object Tracking Sound Pro“ als immersives Klangsystem, das Bewegungen im Bild akustisch nachzeichnet. In der Praxis stößt das 2‑Kanal‑System mit nur 30 Watt jedoch schnell an seine Grenzen. Stimmen sind klar, doch Dynamik fehlt. Actionfilme wirken flach, Bass ist kaum vorhanden, und die Gesamtlautstärke bleibt hinter der Bildgewalt zurück.

Die Lösung: Eine Soundbar ist Pflicht

Mit der Samsung HW‑Q995GW Soundbar zeigt sich, was der Fernseher eigentlich leisten könnte. Q‑Symphony verbindet die internen Lautsprecher mit dem Surround‑System. Der Subwoofer liefert Druck, die Rear‑Speaker schaffen Raum. Erst dann entsteht ein echtes Heimkinoerlebnis.

 

 

Technische Daten

Merkmal Spezifikation
Modellbezeichnung Samsung GMR55R85HAUXZG
Bildschirmdiagonale 55 Zoll (138 cm)
Display-Technologie Micro RGB LED (selbstleuchtende Subpixel)
Auflösung 3.840 x 2.160 Pixel (4K Ultra HD)
Bildwiederholrate 144 Hz
Soundsystem 2.0 Kanal System
Ausgangsleistung (RMS) 30 Watt
Audio-Formate Dolby Atmos Unterstützung
VESA-Norm 300 x 200 mm
Gewicht (ohne Standfuß) 14,6 kg
Gewicht (mit Standfuß) 14,9 kg
EAN 8806099065102

Quick-Check

Vorteile
  • Über 3800 CD/m² Spitzenleuchtkraft
  • 100% BT.2020 Farbdarstellung
  • Absolutes Schwarz
  • Gaming-tauglich
Nachteile
  • Kein Dolby Vision
  • Mittelmäßiger Klang

Fazit

Der Samsung GMR55R85H ist ein Fernseher, der Maßstäbe setzt. Seine Micro‑RGB‑Technologie liefert eine Bildqualität, die 2026 kaum Konkurrenz kennt: extreme Helligkeit, perfekte Schwarzwerte, brillante Farben und Gaming‑Performance auf Monitor‑Niveau. Doch Perfektion hat ihren Preis, doch auch ihre Schattenseiten. Das feine Rauschen in dunklen Szenen, die gelegentlichen KI‑Artefakte, die übertriebene Bildoptimierung, das fehlende Dolby Vision und der schwache Klang trüben das Gesamtbild. Dazu kommt ein Betriebssystem, das mehr Werbung als Übersicht bietet. Für Enthusiasten, die Spektakel suchen, ist der R85H ein Traum. Für Puristen, die filmische Neutralität erwarten, bleibt er ein Kompromiss.

Gesamtnote: Sehr gut!

 

 

 

Mit seiner enormen Leuchtkraft von über 3800 cd/m² setzt der Samsung GMR55R85H neue Maßstäbe und lässt alles Bisherige verblassen.
Mit seiner enormen Leuchtkraft von über 3800 cd/m² setzt der Samsung GMR55R85H neue Maßstäbe und lässt alles Bisherige verblassen.
Auch die Rückseite des Samsung GMR55R85H kann sich echt sehen lassen.
Auch die Rückseite des Samsung GMR55R85H kann sich echt sehen lassen.
Alle Anschlüsse des Samsung R85H sind seitlich leicht zugänglich und in einer Vertiefung untergebracht.
Alle Anschlüsse des Samsung R85H sind seitlich leicht zugänglich und in einer Vertiefung untergebracht.
Mit einer Tiefe von 5,2 cm ist der Samsung GMR55R85H spürbar dicker als die schlanken OLED-Fernseher.
Mit einer Tiefe von 5,2 cm ist der Samsung GMR55R85H spürbar dicker als die schlanken OLED-Fernseher.
Kompakt, praktisch und umweltfreundlich – die Premium Solar Smart Remote.
Kompakt, praktisch und umweltfreundlich – die Premium Solar Smart Remote.
Film- und Gaming-Enthusiasten kommen mit dem Samsung R85H voll auf ihre Kosten.
Film- und Gaming-Enthusiasten kommen mit dem Samsung R85H voll auf ihre Kosten.

 

 

Tobias Kramer

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